Fig Trees

Fig Trees

„John Greysons opernhafte tour de force überschreitet die Grenzen von Form und Genre und erfindet so den Dokumentarfilm neu.“ So schlicht liest sich die Begründung der Teddy-Jury, die FIG TREES dieses Jahr mit dem Preis für den besten Dokumentarfilm auszeichnete.

Die Rahmenhandlung von FIG TREES mag ein wenig seltsam klingen: Gertrude Stein, jene Avantgarde-Schriftstellerin, die schon früh zu einer lesbischen Ikone wurde, will eine tragische Oper über zwei AIDS-Aktivisten aus den 90er Jahren schreiben. Dazu entführt sie sie an die Niagarafälle und zwingt sie, komplizierte Arien zu schmettern. Zur Seite stehen ihnen ein singendes Albino-Eichhörnchen und die heilige Teresa von Ávila, die ihr Leben lang von Krankheiten geplagt war, bis sie sich Gott zuwandte und – wie sie selbst formulierte – seiner Erotik erlag.

Es fällt schwer, den Film einem Genre zuzuordnen. Er ist einerseits filmische Oper, deren Libretto sich aus Steins Werk Four Saints in Three Acts speist, und Regisseur John Greyson findet herrlich wundersame Bilder, um den repetitiven Stil Steins auf der Leinwand umzusetzen. Gleichzeitig webt er dokumentarische Aufnahmen ein, die die Arbeit von Tim McCaskell und Zackie Achmat würdigen, zweier Aktivisten aus Kanada und Südafrika, die unabhängig voneinander für die freie Zugänglichkeit von Medikamenten kämpften. Als wäre das nicht genug, findet Greyson Platz für die Top-100-AIDS-Songs und viele andere Ideen, die das Kunstwerk FIG TREES noch reicher, bunter und damit vollkommener machen.

„Fig Trees“ läuft am Sonntag (04.10.).

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