CDU-Theater in Meersburg

Anlässlich des Plans der Bundesregierung, die Gleichstellung der Homo-Ehe weiter vorantreiben zu wollen, musste sich der CDU-Ortsverband von Meersburg (am Bodensee) die Meinungen einiger CDU-Mitglieder dazu auf seiner Hauptversammlung anhören. Dramatis Personae:

  • Werner Leicht, Initiator der Diskussion (findet Homosexuelle sind
    krank, pervers und an den rückläufigen Bevölkerungszahlen schuld)
  • Horst-Peter Schieber (ist „auch nicht dafür, dass so Schwule rum rennen“)
  • Steffen Rötzer (will „Strömungen, die man nicht haben will, an den Rand
    drängen“ – gemeint ist wohl die Homosexualität)
  • Adrian Künstler, jugendlicher Held (spricht sich deutlich gegen diese
    Intoleranz in der CDU aus)
  • Martin Frick, Vorstandsvorsitzender (darf das Thema im Vorstand weiterdiskutieren)

Happy End: Applaus für Künstler, unseren Helden…

Auf suedkurier.de findet man einen detaillierten Bericht, bei Gay West einen weiteren Kommentar dazu.

Was mir an der Geschichte gefällt: Dass sich auch im CDU-Ortsverband eines 5000-Einwohner-Örtchens ein Schüler(!) findet, der den Konflikt nicht scheut und sich gegen solch antiquierte Meinungen in der CDU wehrt, und dass es weitere CDU-Mitglieder gibt, die ihm dabei den Rücken stärken und ihm applaudieren.

Übrigens: die Adresse des Vorstandsvorsitzenden Martin Frick findet man auf der Website des Ortsverbands (ganz unten), die des „Helden“ Adrian Künstler bei den Wahlvorschlägen zur Gemeinderatswahl (Seite 13) – nur falls jemand das Bedürfnis hat, den beiden das Gefühl zu geben, dass durchaus nicht unbeachtet bleibt, was sich da in Meersburg zuträgt…

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2 Antworten zu CDU-Theater in Meersburg

2 Kommentare
  1. Fenchurch 01. Dez 2009 20:27

    Inzwischen hat der Vorstand das ganze auch gegenüber der schwäbischen Zeitung kommentiert:

    Die im Laufe der Diskussion zu diesem Antrag von zwei Teilnehmern geäußerten Ansichten zum Thema Homosexuelle entsprechen deren persönlicher Auffassung und geben weder die Meinung des Ortsverbandes noch der CDU zu diesem Thema wieder. [...] Der Vorstand distanziert sich klar von solchen Äußerungen [...]

    Dumm nur, dass der in Marks Kommentar bereits erwähnte C-Sucher Anton Model ebenfalls Vorstandsmitglied ist. Der Kommentar dazu:

    Wenn er sich nicht von seinen Äußerungen distanziert, dann kann er nicht im Vorstand bleiben.

    Na, dann sind wir mal gespannt…

  2. mark 27. Nov 2009 11:32

    Da war sie wieder … die leidliche Diskussion um das „C“. Laut suedkurier.de fragt sich ein weiterer Herr — namens Anton Model — tatsächlich auf besagter Sitzung: „Was ist mit dem C in CDU?“ und bezieht diese Frage darauf, dass Ole von Beust „bei einer Schwulenparade dabei war“.

    Ob ihm aufgefallen ist, dass das „C“ (jedenfalls nach offizieller Lesart) für „Christliche“ steht? Wenn das nämlich so ist, dann tun CDU-Mitglieder, die Schwule und Lesben eben als ganz normale Menschen ansehen (unabhängig davon, ob sie selbst schwul sind oder nicht), genau das, was dem zu Denken fähigen Menschen beim Begriff „christlich“ einfällt: Den Nächsten wie sich selbst zu lieben und erst dann den ersten Stein zu werfen, wenn man selbst ohne Schuld ist …

    Sollten die berühmten „C“-Sucher in der CDU sich weiterhin fragen, wo denn das „C“ bleibt, sollten sie vielleicht die Partei umbennennen … und aus dem C ein G machen: Gestrige Union …

    Hach, ja, plötzlich fällt mir wieder ein, warum wir die armen Jungs von der LSU (Lesben und Schwule in der Union) auf CSDs immer so bedauert haben …

    Aber damit nicht genug: Dass es der Bundesrat gerade in seiner 864. Sitzung geschafft hat, die Initiative zur Änderung des Artikels 3 des Grundgesetzes erst mal zu blockieren, sagt einiges über unsere Parteienlandschaft aus, das mir persönlich nicht gerade ermunternd vorkommt. Hoffen wir auf mehr Grips in den Köpfen unserer Politiker!

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