Homophobe Reaktionen auf unsere Demo zur Gleichstellung

Unsere Demonstration "Schwule und Lesben ins Standesamt!" am 24. April hat nicht nur positives Feedback erhalten. Insbesondere die Reaktion eines Mannes per Telefon und per Brief zeigt deutlich, wie wichtig es auch heute noch ist, auf die Straße zu gehen.

Der Brief bestehend aus einem Zeitungsausschnitt und handschriftlichem Text

Anonymer Brief

In dem Brief kann man unter Anderem folgendes Lesen:

„Hochzeit im Bullenstall wäre richtig! [...] was für gehirnkranke und perverse Typen ihr seid. [...] Kastrieren sollte man euch, damit ihr auf andere Gedanken kommt. Verpißt euch! Ekelhaftes Pack!“

Die oben zitierten Textstellen sind im Vergleich zum Rest des Briefes noch harmlos. Wer könnte angesichts solcher Parolen behaupten, Schwule und Lesben seien überall sozial akzeptiert und hätten eigentlich keinen Grund, auf die Straße zu gehen? Es gibt immer noch Menschen, bei denen es offenbar nicht angekommen ist, dass Schwule und Lesben ganz normale Menschen sind. Auch bei ka-news.de, genauer gesagt im Kommentarteil des Artikels zur Demo, stolpert man über homophobe Äußerungen. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns nicht verstecken und (Regenbogen-)Flagge zeigen! Denn nur wir selbst können für unsere Rechte und eine tolerante Gesellschaft eintreten!

Aus demselben Grund hat sich die Schwung Karlsruhe und die Queerbeet dazu entschlossen, den Mitschnitt des Anrufs und den Brieftext zu veröffentlichen. Doch zuerst wollen wir noch kurz über den zeitlichen Ablauf informieren:

Zunächst rief der Mann am 26. April die Festnetznummer von Wolfgang, der die Demonstration bei der Stadt angemeldet hatte, an, um seine Meinung darüber kundzutun. Da zum Zeitpunkt des Anrufs niemand zu Hause war, wurde der Anruf auf ein Handy weitergeleitet und von der Mailbox aufgezeichnet. Am 28. April erhielt Wolfgang oben genannten, an ihn persönlich adressierten Brief.

Vor- und Nachnamen von Wolfgang hatte er vermutlich aus einem Artikel in der BNN, die Nummer des Festnetzanschlusses und die Postadresse aus dem Telefonbuch. Es gibt im Telefonbuch für Karlsruhe insgesamt fünf Personen mit dem gleichen Namen, aber nur bei einer Telefonnummer taucht dieser Name zusammen mit einem anderen Männernamen auf. Daher war es relativ einfach, den "richtigen" Wolfgang zu finden. Dennoch hat der anonyme Anrufer einigen Aufwand betrieben, um an die Kontaktdaten heranzukommen. Er hat sich wirklich Mühe gegeben, gezielt eine Einzelperson ausfindig zu machen, die er angreifen kann. Auf Grund der ähnlichen Wortwahl und der kurzen zeitlichen Abfolge können beide Vorfälle wohl derselben Person zugeordnet werden.

In Absprache mit Wolfgang veröffentlichen wir hier sowohl den Mitschnitt des Anrufs als auch den eingescannten Brieftext.

Achtung: Die folgenden Inhalte geben eine Einzelmeinung wieder. Homosexualität ist keine Krankheit, sondern eine sexuelle Orientierung. Die Schwung Karlsruhe und die Hochschulgruppe Queerbeet distanzieren sich ausdrücklich von den Inhalten des Mitschnitts und des Briefes. Insbesondere der Brief enthält beleidigende und wissenschaftlich nicht fundierte Inhalte. Mehr Informationen zum wissenschaftlichen Hintergrund der Homosexualität gibt’s im Artikel "Ist Homosexualität heilbar?" hier auf unserem Blog.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Ich möchte mich an dieser Stelle nicht über oben genannten Brief oder den Mitschnitt auslassen. Nur soviel: Wenn man Beleidigungen und vulgäre Ausdrücke weglässt, bleibt eigentlich nichts übrig, über das man reden könnte. Über dieses Stammtisch-Niveau kann auch der beigefügte Zeitungsausschnitt nicht hinwegtäuschen. Interessanterweise hat unser unbekannter Briefeschreiber die Lesben überhaupt nicht erwähnt. Offenbar scheinen Lesben nicht zu seinem Feindbild zu gehören, obwohl sie doch für die gleiche Sache einstehen.

Mir geht es hier nicht darum, die homophoben Argumente dieses Herrn oder von sonstwem zu entkräften. Ich denke, jeder, der den Brief gelesen und den Mitschnitt gehört hat, kann sich selbst eine Meinung von diesem Herrn bilden. Was mir wichtig ist: Toleranz und Respekt.

Toleranz heißt dabei nicht, dass ich alles und jeden gut finden muss. Ich selbst halte die Äußerungen unseres Unbekannten für total bescheuert. Doch ich toleriere seine Meinung. Es ist für mich in Ordnung, dass dieser Mensch so denkt, auch wenn ich seine Denkweise ablehne und sie nicht nachvollziehen kann. Das ist etwas, das man von jedem erwarten kann, denn Toleranz verlangt nur, dass man etwas duldet bzw. erträgt, obwohl es nicht in die eigene Weltanschauung passt. Toleranz lässt es aber nicht zu, dass man in einer Art und Weise miteinander umgeht, wie es dieser Herr getan hat. Denn Toleranz setzt gegenseitige Achtung und Respekt voraus.

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3 Antworten zu Homophobe Reaktionen auf unsere Demo zur Gleichstellung

2 Kommentare
  1. primary_unicomplex 17. Mai 2010 21:43

    Die unkastrierten Arschficker grüßen herzlichst diesen aufrechten Ritter der Moral, der trotz seiner noblen Gesinnung zu schüchtern ist, seinen Namen zu nennen.

    Nur ein paar klitzekleine Bemerkungen zu diesem im Ganzen absolut überzeugenden, kristallklar formulierten und hervorragend strukturierten Brief:

    (1) Es heißt: „das ist doch..“, nicht „daß ist doch..“. Vermutlich wurde das im Mittelalter anders geschrieben, was denn auch einen Hinweis auf einen eventuellen geistigen Zeitversatz liefert. Damals gab es tatsächlich auch noch Ritter — heute dagegen ist das Rittertum so gut wie ausgestorben, und fast niemand hält den Damen noch die Türen auf.

    (2) Vor dem Analverkehr darf die Scheiße sogar entfernt (für überforderte Gehirne: „weggemacht“) werden.
    Im Übrigen sollen angeblich selbst einige Eheleute (d.h. bis jetzt: je ein Mann und eine Frau) diese Form des Geschlechtsverkehrs mitunter praktizieren. Der Schreiber des Briefs allerdings vermutlich nicht — fehlt am Ende vielleicht sogar die Frau dafür?
    Obacht: Denn das könnte zu Frust und erhöhter Reizbarkeit führen. Wir empfehlen zur Beruhigung den regelmäßigen Konsum von Lindenblütentee, Aloe Vera und Teebaumöl — diese Produkte wirken schließlich gegen alles.

    (3) Nehmen wir einmal an, das Ziel unserer Demonstration (also der Wunsch, eine der Ehe gleich gestellte Partnerschaft schließen zu dürfen), wäre ein gigantisches Ablenkungsmanöver gewesen.
    Und nehmen wir an, dass wir tatsächlich keinen Wunsch nach Liebe und Beziehung hätten, und dass wir in der Tat laufend „Frischfleisch“ vom Strich benötigen würden.
    Ja, zum Geier nochmal: Wer soll das denn überhaupt bezahlen?! Und wo bliebe dann noch das Geld für Modeschmuck, schöne Kleidung, Reisen, Kosmetikprodukte und Designermöbel?
    Ganz im Ernst: Die Leute, die die Prostitution (im allgemeinen) wirklich am Laufen halten, sind in der Mehrzahl reicher als wir — und hetero.

    (4) Und schlussendlich: Neueste semantische Forschungen haben ergeben, dass „Sex“ und „Liebe“ nicht ganz genau das Gleiche bedeuten. Wir empfehlen Ihnen dringend, beide Begriffe einmal im Lexikon nachzuschlagen — offensichtlich fehlt es Ihnen an beidem.

    Die widerlichen Arschficker haben gesprochen. Und empfehlen Ihnen, in Zukunft Papier und Tinte lieber für Sinnvolles zu verwenden, z.B. für Einkaufszettel.

  2. mark 12. Mai 2010 14:15

    Ich bleibe dabei: es gibt nur einen einzigen Grund, warum ein angeblich heterosexueller Mann etwas gegen Schwule haben könnte: Weil er selbst schwul ist und befürchtet, offen schwul lebende Männer seien eine Bedrohung für seine eigene Maske. Sonst muss jeder Heterosexuelle froh darüber sein, dass „unsereins“ aus der Konkurrenz um potentielle Kopulationsparterinnen herausfällt.

    Aber das nur so nebenbei. Zur Toleranz: Ich glaube nicht, dass man *alles* tolerieren muss. Zu häufig wird in diesem Land von Meinungsfreiheit gesprochen. Was fehlt, ist die Frage, ob man denn einfach jedwede x-beliebige Meinung haben darf … oder schlimmer noch: auch jedwede Meinung äußern darf. ZeusWotanOderWemAuchImmerSeiDank gibt’s da nämlich Grenzen. Biblisch schon: „Du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen wider Deinem nächsten“ … und auch das Rechtssystem unseres Landes kennt Grenzen in Bezug auf Lüge, aber auch in Bezug auf Beleidigung. Von daher: lieber mehr „Bildung“ (!) und ein bisschen weniger „Meinung“!

    Leider weiß ich nicht mehr, von wem das Zitat stammt, aber es lautet in etwa so: „Zu viel Toleranz gegenüber der Intoleranz führt am Ende zum Sieg letzterer über erstere!“

    Von daher: Nein, ich toleriere die Meinung dieses Individuums nicht (und ich würde ihn bestimmt nicht als „Herrn“ bezeichnen), ich nehme sie lediglich zur Kenntnis. Derartige Äußerungen zeigen für mich nur, dass es immer noch Existenzen gibt, die zu dumm sind, um die Bezeichnung „homo sapiens sapiens“ zu verdienen und die vor allem selbst das verdienen, was sie uns wünschen: Kastration … im Interesse der Evolution! Das jedenfalls ist meine ganz persönliche Meinung … basierend auf der Erkenntnis, dass durch die Kulturevolution natürliche Ausleseprozesse bedauerlicherweise zum Teil zum Erliegen gekommen sind … Dummheit stirbt halt nicht aus.

    P.S. Und von der Dummheit mal abgesehen zeigt die Tatsache, dass die Kontaktaufnahme anonym erfolgt ist, auch ganz große Feigheit! Als Kinder haben wir diejenigen, die sich so verhalten haben, als „Schlappschwanz“ bezeichnet … vielleicht liegt in diesem Begriff ja der Schlüssel zur Wahrheit 😉

1 Trackback
  1. [...] Ausschnitte und eine Auseinandersetzung mit dem entsprechenden anonymen (!) Brief gibt’s bei Q… [...]

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