Diskussionsabend „Homosexualität in der Bibel“
„Homosexualität ist Sünde“ – habt ihr diesen Spruch schonmal gehört? Wie kann man damit umgehen, wenn jemand so etwas sagt? Es lohnt sich, sich dazu etwas in der Bibel auszukennen und genau zu wissen, was darin über Homosexualität steht – und was nicht.
Gemeinsam mit der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) und Norbert Wölfle vom Homosexuellenpastoral Freiburg haben wir bei einem Diskussionsabend am 1. Juli Bibelstellen genauer unter die Lupe genommen, die Homosexuelle betreffen (könnten). Neben Mitgliedern der Queerbeet und der KHG waren auch viele Mitglieder der SMD, sowie Besucher des Queer-Gottesdienstes dabei. Besonders haben wir uns darüber gefreut, dass auch Manfred Bruns vom LSVD mit dabei war und uns aus seinem reichen Erfahrungsschatz wertvolle Diskussionsbeiträge liefern konnte.
Zunächst führte Herr Wölfle in das Thema ein, und stellte mit einem Flyer kurz die Arbeit des Homosexuellenpastorals vor. Er ging dann näher auf einzelne Bibelstellen ein:
- In den Heiligkeitsgesetzen steht „Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft“ (Lev 18,22), dort finden sich aber auch viele andere Verbote (z.B. „Ihr sollt euer Kopfhaar nicht rundum abschneiden. Du sollst deinen Bart nicht stutzen.“, Lev 19, 27) die heute nicht mehr ernst genommen werden, weil sie früher hauptsächlich dazu dienten, sich von anderen Religionen abzugrenzen, und Männer deutlich von den ihnen untergeordneten Frauen zu unterscheiden.
- In den Paulusbriefen findet man „Männer trieben mit Männern Unzucht“ (Röm 1, 27). Paulus kannte jedoch nicht unser heutiges Konzept von Homosexualität (als auf Dauer angelegte liebevolle gleichberechtigte Partnerschaft), sondern bezog sich auf den im antiken Griechenland üblichen Verkehr von (heterosexuellen) Männern mit untergeordneten Sklaven oder Jugendlichen.
- Die Stadt Sodom (Gen 19, 4-9) wurde nicht zerstört, weil ihre Bewohner homosexuell waren. Viel mehr ging es um eine versuchte Vergewaltigung und eine Verletzung des (damals sehr wichtigen) Gastrechts.
Nachdem wir diese und noch weitere Bibelstellen auch noch einmal gemeinsam laut gelesen hatten, begann eine interessante Diskussion mit den über 40 Teilnehmern. Die Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche hatte zusätzlich Faltblätter mit weiteren Bibelstellen für homosexuelle Christen sowie einer kritischen Auseinandersetzung mit Äußerungen von Papst Benedikt XVI mitgebracht. Wir lösten uns schnell von den Bibelstellen und diskutierten noch lange über die Akzeptanz von Homosexuellen in christlichen Gemeinden und in der katholischen Kirche.
Der Abend hat sicherlich für viele interessante Impulse zum Thema Homosexualität und Christ sein gegeben. Wir danken Herrn Wölfle und der KHG für die gute Zusammenarbeit, sowie allen Teilnehmern für die positive Diskussionsatmosphäre.
Weitere Infos zum Thema:
- bei der schon erwähnten Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche
- zwischenraum.net wurde auch bei der Diskussion erwähnt
- religioustolerance.org: What the bible says and means about homosexuality stellt verschiedene Interpretationen wertungsfrei gegenüber
- lsbk.ch: Homosexualität in der Bibel
- soulforce.org: What the Bible Says – And Doesn’t Say – About Homosexuality



Auch der SWR beschäftigt sich mit dem Thema – genauer: „Kirche im SWR“, die evangelische und katholische Rundfunkarbeit:
Beitrag vom 24.2.: Homosexuelle Pfarrer?
Beitrag vom 4.3.: Liebe
Ein weiterer Beitrag in der Sendung „Begegnungen“ ist geplant: dort soll ein homosexuelles Paar interviewt werden, das gemeinsam im Pfarrhaus lebt – insbesondere zu den Reaktionen der Menschen in ihrem Umfeld.
Aktuell wird in der evangelischen Kirche in Deutschland debattiert, ob Pfarrer in eingetragener Lebenspartnerschaft mit dem Partner gemeinsam im Pfarrhaus wohnen dürfen.
In diesem Zusammenhang möchte ich auf sehr gelungenen Artikel „Homosexualität – ein Gräuel?“ hinweisen. Verfasst wurde er von Prof. Dr. Jürgen Ebach, bis 2010 Professor für Exegese und Theologie des Alten Testaments und biblische Hermeneutik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum.
Update: Ein anderer schöner Artikel zum Thema: Theologie für das Leben: Die Liebe ist unwiederstehlich. Verfasst von Valeria Hinck, Vorstandsmitglied von Zwischenraum e.V.
noch mehr lustige gesetze
ein link auf der seite der queergottesdienste