„Arschf*****!“ Aktionstag gegen Sexismus und Homophobie am KIT

Bevor Du Dir diesen Artikel durchliest, solltest Du wissen, dass wir normalerweise nicht so vulgär drauf sind. Ich möchte mich schon im Vorraus für die Ausdrucksweise entschuldigen 😉

Am Donnerstag fand in der Mittagspause der Aktionstag gegen Sexismus und Homophobie initiiert vom neuen Queer-Referat statt. Dazu haben wir Informationsflyer vor dem AKK verteilt. Der Clou: Um die Aufmerksamkeit möglichst vieler Leute zu gewinnen, tat ein Teil von uns so, als hätte sich spontan eine homophobe, sexistische Gruppe zusammengefunden, die das Flyerverteilen durch Zurufe über Megaphone stören möchte! Abwechselnd wurden die Flyerverteiler teils sehr vulgär („Arschf*****“, „Emanzen“, „An deinem Sch**** hängt doch Scheiße“) beschimpft, aber auch mit teils gesellschaftlich anscheinend salonfähigen Argumenten konfrontiert („Ehegattensplitting für eingetragene Lebenspartnerschaften? Seh‘ ich nicht ein, die kriegen ja keine Kinder“, „Ich hab nichts gegen Schwule, aber doch nicht in der Öffentlichkeit“, „Frauen können halt nicht einparken“, „Dass Frauen nicht in Führungspositionen sind hängt wohl damit zusammen, dass sie es nicht wollen“, „Jetzt wollen die Homos auch noch das Adoptionsrecht, denkt doch an die armen Kinder!“). Auch Bibelzitate schallten durch die Megaphone.

Diese Methode der Aufmerksamkeitsgewinnung erwies sich als voller Erfolg: Schon nach kurzer Zeit waren alle Flyer vergriffen (besonders viele Leute wollten einen Flyer, nachdem wir „nehmt ja nicht die rosa Flyer von den Schwuchteln und Emanzen!“ riefen 😉 )

Einige Studis ließen sich auch auf eine Diskussion ein oder diskutierten untereinander über die Aktion. Eine Person kam sogar auf die vermeintlichen Störer zu „Findest du das eigentlich cool, was du da machst?!“, ein anderer warf einen Apfelbutzen.

Die Aktion fand im Rahmen der deutschlandweiten Aktionswoche gegen Sexismus und Homophobie an Hochschulen statt. Infos findest Du auch unter: www.kein-sexismus.de

Insgesamt sind wir sehr zufrieden mit dem Aktionstag, großes Danke an das Queer-Referat, das Frauen-Referat und die Helfer!

Update des Autors vom 6.12. 21.10 Uhr :

Die vielen kontroversen Kommentare zum Artikel haben mich dazu bewogen, noch ein paar Sätze zu diesem Artikel, der Aktion bzw. der Planung zu verlieren.
Ich hatte im Vorfeld der Aktion nicht gedacht, dass es so undurchsichtig wäre, diese Aktion (in unserem Sinne) „richtig“ zu interpretieren. Es fand ja ein ständiger Wechsel zwischen den homophoben und sexistischen Äußerungen statt (auf „Jetzt wollen die Homos auch noch das Adoptionsrecht, denkt doch an die armen Kinder!“ direkt „meine Freundin wollte doch tatsächlich meinen Autoschlüssel – Frau am Steuer, das wird teuer!“), was einerseits wegen der thematischen Änderung, andererseits z.T. wegen der Art des Gesagten auffällig war (dass meine Freundin meinen Autoschlüssel will, sag ich dann ja doch eher einem Kommilitonen als der versammelten Mannschaft vor dem AKK).
Anscheinend war das aber nicht offensichtlich, banal oder doof genug, damit es alle erreicht. In der Planung haben wir uns wohl zu wenig Gedanken über jene gemacht, die keinen Flyer gekriegt haben (hier waren ja die blöden Sprüche mit dem Aktionshintergrund verknüpft) und auch über jene, die übermäßig intolerant sind (die also 100% sexistisch und homophob sind und die bei sowas null Komma nichts Auffälliges wahrnehmen) – diese Gruppen haben wir anscheinend unzureichend erreicht.

Alles in allem führt das natürlich dazu, dass wir uns Gedanken darüber machen, wie sich sowas entweder besser in einer wechselnden, vorbeilaufenden Masse auflösen lässt (das war nämlich in der Planung die Schwierigkeit) oder welche weiteren Methoden für so eine Aktion geeignet sind. Gerne laden wir ein nach bzw. während den Kaffeeklatschen im kommenden Jahr mitzudiskutieren; jeder der Ideen für die nächste Aktion hat, ist natürlich eingeladen mitzuhelfen!



		

				
												

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12 Antworten zu „Arschf*****!“ Aktionstag gegen Sexismus und Homophobie am KIT

12 Kommentare
  1. Viri 11. Dez 2010 21:39

    Liebe Leute, ich war eine Weile offline, deshalb komme ich erst dazu, mich auch bei diesem Artikel zu beteiligen, was mir auch nur fair erscheint, denn letztendlich war ich diejenige, die die Aktion initiiert hat.
    In Absprache mit allen, die bei der Aktion mitgemacht haben, war unser erstes Ziel so viel Aufmerksamkeit zu erzeugen wie möglich. Es dauerte auch einige Diskussionen bis wir uns schlüssig waren, was wir machen. Schon im Vorfeld als ich mit einer ungeouteten Person über die Planung der Aktion geredet habe, wurde mir klar, dass die Aktion und die Sprüche auf die Flyer nicht nur Aufmerksamkeit sondern auch Angst erzeugen würde. In dem Moment erschien mir trotz dessen am wichtigsten, darauf hinzuweisen, dass durch solche Sprüche und Redewendungen eine (nicht immer „nur“ latente) Diskriminierung in den Hochschulen und in der Gesellschaft allgemein herrscht.
    Aus vielen Reaktionen, die ich in den Passanten beobachtet habe, konnte ich den für mich größten Erfolg der Aktion und zwar, dass die Leute sich Gedanken über das Thema Sexismus und Homophobie gemacht haben und fleißig am diskutieren waren. Erschreckend, doch irgendwo auch erwartet, waren die Kommentare beim Ablehnen eines Flyers „ne, warum, ich finde Sexismus doch gut!“
    Im Nachhinein betrachte ich die Aktion als sehr Aufmerksamkeit erregend aufgrund ihrer Aggressivität. Für mich war es auf jeden Fall zum Ausprobieren ein Versuch Wert und diese Diskussion darüber betrachte ich ebenfalls als ein Teil des Erfolgs.
    Allein aus neurolingüistischen Gründen würde ich gerne das nächste Mal etwas anderes ausprobieren, was anstatt die Diskriminierung aufzeigt, die Akzeptanz fordert und fördert. Ideen sind also, wie Rafa bereits sagte, immer willkommen!

  2. ubientephes 06. Dez 2010 21:23

    Zu meinem eigenen Artikel-Update:
    Ich dachte vorhin auch schon daran, dass man bei so einer Aktion z.B. an alle Wege, die zum AKK-Vorplatz führen, große Achtung-Schilder aufstellen könnte, mit einer Aufschrift wie: Vorsicht! Homophobie und Sexismus sind überall und ja, solche Sprüche, wie Sie jetzt hören, gibt’s auch in echt !

    Ich freu mich, auf mehr Konstruktives! ;o)

    1. martin 07. Dez 2010 20:19

      Zum Thema „Autoschlüssel“, „Verunsicherung“ und „Intelligenz der Weltbevölkerung“:
      Aus Ulrich Wickerts (Tagesthemen):“Der letzte Stand der Dinge“:

      Vor einer Epidemie, einer Seuche, fürchtet sich jedermann. Kein Wunder also, dass die Bürger von Lodz an Apotheken für Medizin anstanden, und Seuchendienste (!!!) in Alarmbereitschaft versetzt wurden, als Lautsprecherwagen in der Stadt verkündeten: „Die Epidemie breitet sich in ganz Polen aus. Die einzige Rettung besteht darin, sich ins Kino zu begeben.“ Sofort verbreitete sich das Gerücht, in der Slowakei habe sich eine Atom-Katasthrophe ereignet.
      Ruhe kehrte erst ein, nachdem das FERNSEHEN (!!!) berichtete, es habe sich um Werbung gehandelt – für den Katastrophenfilm „Epidemie“.

  3. martin 05. Dez 2010 13:55

    Mein lieber Scott.
    Ich habe jetzt wirklich einen Tag über deine Antwort nachgedacht, um nicht „aus der Pistole heraus“, wie mein homophober Vater immer so gerne zu pflegen sagt, zu antworten.
    Euer Ziel/Satzung ist ja unbestritten! Keine Diskussion darüber. Löblich, ehrenamtlich und viel Arbeit. Unbestritten! In der ganzen Zeit hätte man theoretisch schon wieder einen Arschf…. oder sich Scheiße an den Schwanz besorgen können.
    Die Argumentation „Hätten wir auf unsere Beileidigungen verzichtet, wären wohl weit weniger Personen auf das Thema aufmerksam geworden…nd hätten sich für unsere Flyer interessiert“ ist doch wohl „nicht ganz korrekt“. Ich selbst bin im Dienstleistungsgewerbe als Restaurantleiter tätig und ich verkafe selbst eine String-Tanga wenns sein muss. Flyer zu verteilen ist mir nicht unbekannt; habe ich für Café Feller (heute Böckeler)- für ein Kartoffelgericht im Herbst. Die Leute haben mir die Flyer aus der Hand gerissen. Entweder, weil ich so hübsch bin oder die Aktion einfach nur originell war! Wir hätten auch sagen können: „Esst nicht die verfaulten Kartoffeln im Feller“ – auf dem Flyer hätte dan gestanden, wie ausgezeichnet die Küche von allen gelobt wurde. Sorry, euer Ansatzpunkt ist ja völlig kontraproduktiv was DIESES sensible Thema „coming out“ angeht. Eine Sensationslust gar es schon immer! Hätten die Römer die Kreuzigungen nicht öffentlich gemacht, hätten wir wohl heute kein(christliches!) Weihnachtsfest. NUR: Wenn im Mittelalter einer „Verbrennt die Hexe“ gerufen hat, interessierte es KEINEN, ob er mit seiner Äußerung nun RECHT hatte oder nicht. Die Sensationsgeilheit ist uns doch wohl bekannt. Aber den Erfolg daran zu beziffern, nur dass Menschen sensationsgeil sind und eben einen Flyer mitnehmen, muss nun wahrhaftig nicht mit einer NEGATION (Antiwerbung?!??) erfolgen. Wie gesagt: „Verbrennt die Schlampe/Hexe, die mich verführt hat.“ Café Feller hätte einen Image-Verlust, wäre die Aktion sooo erfolgt; ob das Essen nur herausragend ist oder nicht. Jene „Provokation“ (esst nicht die verfaulten Kartoffeln bei uns) HÄTTE NOCH JEDER normal-gebildeter NACHVOLLZIEHEN können. Aber die Eure???? DAS VERSTÄNDNIS FÜR (!) eine völlige Normalität von Homosexualität wird mit einer Negation sicherlich nicht erreicht. (ich bin erst 45 J. und vielleicht noch nicht weise genug; ist also eine subjektive Meinung).
    „Vertreibung der Pöbler“. Nun, wir hatten mal die Situation in der Christopher Street. Die eskalierte. Genauso wie bei Links- und Rechtsextremisten. Gegen Notwehr ist ja nichts einzuwenden. Nur, ein Aktionismus in dieser Form ist nicht gerade „christlich. Vielleicht hätte man die andere (Arsch-) Backe hinhalten sollen? Nun, ich bin da auch eher der Zelot (Gesinnung unseres Judas, die Römer mit Gewalt zu vertreiben), der dem anderen einen auf den Deckel haut…. Ist aber laut unserer Grundverfassung mit freier Meinungsäußerung so nicht korrekt! Denn, was sagten die Pöbler denn Falsches?

    1. scott 06. Dez 2010 17:30

      Abgesehen davon, dass ich einige Äußerungen in diesem und auch deinen anderen Kommentaren auf dieser Seite einfach nur niveaulos und lächerlich finde, z. B.:

      • In der ganzen Zeit hätte man theoretisch schon wieder einen Arschf…. oder sich Scheiße an den Schwanz besorgen können.
      • Vielleicht hätte man die andere (Arsch-) Backe hinhalten sollen?
      • es wird wahrschenilich „viele zum Nachdenken angeregt haben“, ob sie beim nächsten Sex evt. Scheiße am Schwanz“ haben könnten….

      möchte ich auf folgende Punkte aus diesem Kommentar inhaltlich eingehen:

      Die Argumentation „Hätten wir auf unsere Beileidigungen verzichtet, wären wohl weit weniger Personen auf das Thema aufmerksam geworden…nd hätten sich für unsere Flyer interessiert“ ist doch wohl „nicht ganz korrekt“.

      Kannst du das beurteilen? Ich habe mich nach der Aktion mit unserer Frauenreferentin am KIT unterhalten, die seit Jahren im Rahmen der Aktionswoche gegen Sexismus und Homophobie Projekte macht.

      Nur zu Info: Diese Aktionswoche gibt es jedes Jahr und wird an allen Hochschulen zur gleichen Zeit durchgeführt.

      Unsere Frauenreferentin erzählte mir, dass sich in den Jahren zuvor meist niemand für die Flyer und die Aktion interessierte. In diesem Jahr jedoch bekamen wir durch die Pöbelei deutlich mehr Aufmerksamkeit. Ungeachtet dessen, ob man diese Pöbeleien nun gutheißt oder nicht, muss man das doch berücksichtigen. Auch vor dem Hintergrund, was man bei einer nächsten Aktion besser machen könnte. Was nützt eine Aktion, die niemand bemerkt?

      Flyer zu verteilen ist mir nicht unbekannt; habe ich für Café Feller (heute Böckeler)- für ein Kartoffelgericht im Herbst. Die Leute haben mir die Flyer aus der Hand gerissen.

      Dieser Vergleich hinkt doch gewaltig. Wir haben die Aktion gemacht, weil wir konfrontieren wollten. Da Diskriminierung meist im Verborgenen stattfindet, wollten wir sie den Menschen vor Augen führen. Da die Diskriminierenden ihre Vorurteile meist nicht hinterfragen, wollten wir ihnen einmal den Spiegel vorhalten.

      Außerdem ist es ein gewaltiger Unterschied, ob du den Leuten Flyer für ein Kartoffelgericht hinhältst oder sie mit einem Thema wie Homophobie oder Sexismus konfrontierst. Bei letzterem müssten sich die Leute mit ihren Vorurteilen auseinandersetzen, worauf die meisten keine Lust haben. Vergleiche dazu, was unsere Frauenreferentin gesagt hat.

      DAS VERSTÄNDNIS FÜR (!) eine völlige Normalität von Homosexualität wird mit einer Negation sicherlich nicht erreicht.

      Meiner Meinung nach wird Homosexualität für die Menschen in unserer Gesellschaft dadurch etwas Selbstverständliches (ich mag den Begriff „normal“ nicht), indem wir Präsenz zeigen. Genau deshalb haben wir die Aktion gemacht. Die Passanten sollten sehen, wie es ist, wenn man auf Grund von Eigenschaften, die man sich nicht ausgesucht hat, beleidigt und beschimpft wird. Wir wollten dieses für Nicht-Betroffene doch sehr abstrakte Thema direkt begreiflich machen.

      Ein paar Unbeteiligte kamen während der Aktion auf das AKK-Dach und wollten uns mit den Worten „Findet ihr das cool, was ihr da macht?“ zum Aufhören bewegen. Was für mich neben dem Apfelbutzen doch eine Form von Zivilcourage darstellt. Bei ihnen hat unser Konzept also funktioniert. Wenn wir es jetzt noch geschafft hätten, denjenigen, die sich durch unsere Pöbeleien in ihren Vorurteilen bestätigt sahen, klarzumachen, dass das alles nur gestellt war, wäre die Aktion in meinen Augen erfolgreich gewesen.

      Ist aber laut unserer Grundverfassung mit freier Meinungsäußerung so nicht korrekt! Denn, was sagten die Pöbler denn Falsches?

      Das ist so schlichtweg falsch. In der geschilderten Situation wurden die Aktivisten von den Pöblern klar beleidigt. Beleidigungen sind vom Recht auf Meinungsfreiheit nicht gedeckt.

      Abschließend möchte ich bemerken, dass ich die Aktion ähnlich wie Karin beurteile:

      Die meisten wissen nicht, dass die teilweise doch sehr verletzenden Sprüche nur gestellt waren.

      Wenn wir es geschafft hätten, denjenigen, die sich durch unsere Aktion in ihren Vorurteilen bestätigt sahen, klarzumachen, dass das alles nur gestellt war, hätten…

      • homophobe oder sexistisch eingestellte Personen keinen Grund, sich bestätigt zu fühlen. (Ob das ihre Meinung ändert, können wir nicht beeinflussen.)
      • ungeoutete Personen sehen können, dass man sich von solchen Leuten nicht unterkriegen lassen muss.
      1. martin 07. Dez 2010 20:11

        Lieber „ubientephes“ (Autor)! Das update UND den Kommentar fand ich sehr überlegenswert. Wie man ja jetzt ganz deutlich an „Scott“ sieht, muss man auch Leute ansprechen, die „bei sowas null Komma nichts Auffälliges wahrnehmen“ oder – viel Schlimmer – an einem Aktionismus teilnehmen und dann ihre „fromen Sprüche“ vergessen. Hier nochmals meine von Scott als „niveaulos und lächerlich“ bezeichneten Äußerungen der Aktion: „Arschficker! An deinem Schwanz hängt doch Scheiße!!!“ Nun, die hat Scott vielleicht gerufen und findet die jetzt im Nachhinein „niveaulos“. Den – wie ich finde – angebrachten Sarkasmus „…in der Zwischenzeit hätte man sich ….“ fand ich nicht unangebracht. Und ja – hahahaha – meine Bekannte fragte doch tatsächlich (sie hatte selbst noch keinen Analsex), ob man „denn Scheiße am Schwanz“ haben würde beim Sex. Na, wenn solche „frommen“ Sprüche nicht zum Gedankentausch anregen!!!!
        Zum Punkt: „Flyerverteilen“. Nein, der Vergleich „Flyerverteilen auf der Straße“ hinkt mitnichten! Es obliegt jedem Geschäft oder Aktionisten, seine Flyer an den Mann zu bekommen!!! Die „Art und Weise“ ist ausschlaggebend für den Erfolg. ICH habe nur angemerkt, dass ich eine NEGATION als kontraproduktiv erachte. Wären ALLE Hörer/Vorbeilaufenden aufgeklärt worden, wäre diese Provokation vielleicht überlegenswert. Aber so? Die Leute zu animieren, sich ihren Vorurteilen zu stellen, wird man mit einer Negation wie z.B. „Die haben ja alle Scheiße am Schwanz“ ganz sicher nicht erreichen! Nach Eurer/Deiner Facon des Aktionismus solltet ihr doch mal folgendes tun: Stellt doch mal eine Truppe zusammen, die in der Straßenbahn einen (eingeweihten) Typen dumm anmachen und anpöbeln. Unabhängig ob Schwul, schwarz oder mit einer Kippa. Reaktion abwarten und dann allen „den Spiegel vors Gesicht“ halten. Wer bis dahin nicht sowieso schon ausgestiegen ist. Die Negation wird auf Unverständnis stoßen und man wird keinen „wachgerüttelt“ haben (ist ja auch alles schon praktiziert/erprobt worden).
        „Abstrakte Thema direkt begreiflich machen….als etwas Selbstverständliches indem wir Präsenz zeigen“.
        Stimmt: Mit „die haben doch Scheiße am Schwanz“, wurde das auch „direkt begreiflich“ gemacht. Da stimme ich dir zu!
        Präsenz zeigen: Ja, das tun wir quietschenderweise, bunt befedert, in Frauenkostümchen und mit Dildos im Arsch (AMSTERDAM, dass der Bürgermeister es dort untersagt werden musste!!!!!) an allen Christoper Street Parade. Ralf König meinte einmal, dass „Traumschiff Surprise“ das fürchterlichste wäre, die „Selbstverständlichkeit“ von Homosexualität vorzustellen. Vielleicht sollte man sich über „Selbstverständlichkeit“ und „Vorurteilen“ (auch Heteros können „Scheiße am Schwanz beim Analsex haben!!!“)( mal Gedanken machen!
        Im übrigen: Wieviele werden durch das „Netz“ geschlüpft sein, die NICHT begriffen haben, dass es sich um eine Provokation gehandelt hat. Und wieviele werden sich dadurch auch noch bestätigt UND wieviele andere sich auch noch verunsichert gefühlt haben! Ein Schaden, der nie wieder gut zu machen ist.
        „Beleidigung – rechtliche Kosequenzen“.
        Ich wage zu bezweifeln, dass mit Äußerungen wie „an deinem Schwanz hängt doch Scheiße“ oder „Arschficker“ rechtliche Konsequenzen verbunden sind. Das wäre wohl ein Witz! Schwule ficken sich nun mal in den Arsch. Das ist eine Tatsache. Oder …. wird eine Tatache als „Beleidigung“ angesehen, weil sie einem „nieveaulos“ (peinlich?) erscheint? Dann sollte man einen Aktionismus „für mehr Selbstbewußtsein unter Homosexuellen“ machen!…
        Mein Resumée: UNGEOUTETEN Personen ist mit SOLCH einer Provokation überhaupt nicht geholfen. Und für die selbstbewußten Homosexuellen braucht man SOLCH eine Aktion nicht machen!

  4. Karin 22. Nov 2010 15:31

    So gut ich es auch finde, dass ihr eine Aktion gegen Sexismus und Homophobie veranstaltet: Ich glaube diese „Anti-Werbung“ schadet mehr, als dass sie hilft.

    Natürlich ist es schön zu sehen, dass sich gegen lautstark geäußerte Homophobie gewehrt wird (s. Apfelbutzen) und einem sogar eine Plattform geboten wird, bei der man auf Gleichgesinnte trifft.

    Aber: Die meisten wissen nicht, dass die teilweise doch sehr verletzenden Sprüche nur gestellt waren. Wie viele sind wohl an eurem Stand vorbei gelaufen, fühlten sich verunsichert oder sahen sich darin bestätigt, sich nicht zu outen?

    Ihr erzeugt einen Konflikt, der so nicht da ist.

    1. martin 04. Dez 2010 13:14

      Ich kann Karin nur Recht geben. Als ich den Artikel hier auf der Startseite der homepage las, kamen mir GENAU die gleichen Gedanken: „Die meisten wissen nicht, dass die teilweise doch sehr verletzenden Sprüche nur gestellt waren. Wie viele sind wohl an eurem Stand vorbei gelaufen, fühlten sich verunsichert oder sahen sich darin bestätigt, sich nicht zu outen? Ihr erzeugt einen Konflikt, der so nicht da ist.“

      Ich denke, wir haben so viele Psychologen auf der Uni, wieso konnte man hier die Aktionisten nicht korrekt beraten.
      Ich finde den Aktionismus „unangebracht“ und widerlich; zumal mir die Provokation kontraproduktiv erscheint. (Man ermisst „Erfolg“ doch nicht in der Abnahme von „blöden“ Flyern)

      1. scott 04. Dez 2010 15:30

        Hallo Martin, hallo Karin,

        ich kann euer Argument sehr gut nachvollziehen. Natürlich habt ihr insbesondere damit recht, dass unsere abfälligen Äußerungen gerade ungeoutete Personen, die zufällig an dieser Szene vorbeilaufen, sehr treffen können.

        Dies war von uns nicht beabsichtigt. Ganz im Gegenteil ist es u. a. unser Ziel, Menschen beim Coming Out zu unterstützen und ihnen die Bildung einer selbstbewussten, natürlichen Haltung ihrer sexuellen Orientierung gegenüber zu erleichtern. Das steht auch in unserer Satzung.

        Aber: Hätten wir auf unsere Beileidigungen verzeichtet, wären wohl weit weniger Personen auf das Thema aufmerksam geworden.

        Ohne die Provokation hätten sich die Leute wohl kaum für unsere Flyer interessiert. Wenn wir sie damit wenigstens dazu gebracht haben, sich den Flyer mal durchzulesen, hat es in meinen Augen schon etwas gebracht. Somit muss ich Martin in dem Punkt

        Man ermisst „Erfolg“ doch nicht in der Abnahme von „blöden“ Flyern

        klar widersprechen. Natürlich hätten wir insgesamt vieles besser machen können:

        So mussten wir feststellen, dass wir die Situation nicht gut aufgelöst haben. Es hätte deutlich werden müssen, dass die Situation nur gestellt war und die Pöbler in Wirklichkeit zu den beleidigten Randgruppen gehören.

        Wir haben auch darüber nachgedacht, ob wir vielleicht noch eine Vertreibung der Pöbler hätten einbauen können, um zu zeigen, dass dieses Verhalten in unserer heutigen Zeit nicht mehr geht.

  5. Dirk 14. Nov 2010 09:34

    Sehr gelungene Aktion! Je mehr Menschen ihre Stimme gegen die traditionelle Homophobie und gelebten Sexismus erheben, umso besser für unsere Gesellschaft.
    Macht weiter so! Es sollte jedoch nicht nur an Aktionstagen selbstverständlich sein, gegen Diskriminierung und Ausgrenzung einzutreten!
    Wir schwulen und lesbischen Fußballfans kämpfen auf dem Terrain der letzten großen Bastion des heterosexuellen, weißen Mannes um diesen Wert. http://www.queerfootballfanclubs.com

  6. scott 12. Nov 2010 12:55

    Wow! Coole Aktion!

    Insbesondere finde ich es toll, dass einige Studis sogar eingreifen wollten — ganz abgesehen davon, dass es viele zum Nachdenken angeregt hat.

    Das Konzept „Anti-Werbung“ sollten wir uns im Hinterkopf behalten…

    …wenn wir Flyer für unsere nächste Party verteilen 😀

    • „Geht ja nicht auf die Party von den Schwuchteln da!“
    • „Der Papst sagt: Wer auf diese Party geht, landet in der Hölle!“
    • „Boykottiert diese Arschficker-Party im AKK!“
    1. martin 04. Dez 2010 13:16

      Ja, es wird wahrschenilich „viele zum Nachdenken angeregt haben“, ob sie beim nächsten Sex evt. Scheiße am Schwanz“ haben könnten….
      Na dann…Frohes Comming out….

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