„Miłość nie wyklucza” – wie web 2.0 die gesellschaftliche Debatte verändert

„Miłość nie wyklucza”, Liebe schließt nicht aus! Das ist eine neue Aktion in Polen, die sich für Schwulenrechte, insbesondere für die Einführung einer eingetragenen Lebenspartnerschaft einsetzt. Die Forderungen für eine Ausgestaltung dieser eingetragenen Lebenspartnerschaft lesen sich ziemlich vorsichtig, da die Aktion außergewöhnlich klar feststellt, dass sie im sehr katholischen Polen keine Anerkennung seitens der Kirche will; sie weiß genau, dass sie gegen das Denkmuster eingefahrener Kirchentreuer in Polen nicht ankommt, darum fasst sie sich mit ihren Forderungen möglichst praktisch: Warum soll ich meine/n Partner/in nach jahrelanger Beziehung nicht am Krankenbett besuchen dürfen, wenn ich nicht gerade auf einen toleranten Arzt treffe? Was stört es die Öffentlichkeit, wenn ich mit meinem Partner vereinbare, dass wir füreinander sorgen (Gütergemeinschaft, Unterhaltsrecht)? Aber auch Dinge, die den Staat unmittelbar betreffen sind schon im Forderungskatalog erwähnt: die polnischen Lesben und Schwule möchten etwa in Erbschafts- und Steuerrechtssachen nicht mehr ungleich behandelt werden.

Um diesem Aktionsbündnis einen Background zu geben, möchte ich kurz darauf eingehen, wie ich die Entwicklung der Diskussion um den Umgang mit Lesben und Schwulen in der polnischen Gesellschaft wahrnehme:

Vor einigen Jahre noch sah man in den Medien keinerlei Kontroverse bezüglich dem Thema Homosexualität in Polen. Entweder wurde über das Thema Homosexualität einfach nicht gesprochen oder aber die gesamte Talk-Showrunder gab zum Besten, dass Homosexualität bzw. Pädophilie (viele sahen da erschreckender Weise keinen Unterschied) zu verachten ist und man als wachsamer Bürger die Augen vor dem Bösen offen halten sollte. Ab und zu gab es ein Statement eines katholischen Geistlichen, selbstverständlich nicht sonderlich homofreundlich, 2004 und 2005 wurden die Warschauer CSDs (in Polen heißen sie Gleichheitsparaden, Parada Równości) vom mittlerweile tödlich verunglückten Lech Kaczynski untersagt. Er war damals Oberbügermeister in Warschau, später gewann er mit seiner rechtskonservativen, populistischen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) die Parlamentswahl und war bis zu seinem Tod Präsident in Polen. Zu dieser Zeit war der Ton seitens der Politik alles andere als homofreundlich (siehe etwa hier)

Zumindest der Umgang mit dem Thema Homosexualität in Polen scheint sich aber nun ruckartig zu ändern, im Zentrum befindet sich der Sozialdemokrat und Schwulenrechteaktivist Robert Biedroń. Seit letzten Jahres etwa gibt es kontinuierlich Diskussionsrunden mit dem schlagfertigen 34 Jährigen auf verschiedenen Fernsehkanälen. Schon fast  übertrieben aufklärerisch wirken seine Aussagen auf uns „Westliche“. Immer wieder predigt er, Homosexualität sei keine Krankheit, man könne Menschen davon also auch nicht heilen. Er stamme nicht aus krankhaften Familienverhältnissen, hatte keine psychisch kranken Eltern, die zu seiner sexuellen Orientierung beigetragen hätten. Man habe Homosexuelle in der Gesellschaft nicht wahrgenommen, weil sie einfach nicht (oder nicht wirklich :)) anders sind, als Heterosexuelle.
All diese TV-Shows findet man natürlich auch bei YouTube, wo die Diskussionsbeiträge nicht abbrechen. Oft unter der Gürtellinie beschimpfen sich die Befürworter und Gegner Biedrońs. Auch viele Straßeninterviews sind aufgetaucht, Fernsehsender fertigen Reportagen über Homosexualität in Polen an.
web 2.0 wirkt wie ich finde in der ganzen Debatte wie ein Katalysator: Auf Youtube, myVideo und den ganzen anderen Vertretern tummeln sich Videos mit Umfragen und Argumenten, die die offene Diskussion zu Stande bringen, die so lange in der polnischen Gesellschaft gefehlt hat. Endlich der offene Schlagabtausch!
Besonders emotional wurde die gesamte Diskussion, als ein Kinderbuch über ein Pinguinbaby mit schwulen Pinguinpapas veröffentlicht wurde und in einer Danziger Vorstand in einem Kindergarten vorgelesen wurde. Sofort waren die TV-Shows voll mit besorgten Eltern, die angaben, dass sie doch selber entscheiden möchten, ob ihre Kinder mit dem Thema Homosexualität konfrontiert werden sollten und dass es unfassbar wäre,  wenn Steuergelder dafür verwendet würden, Kindern in öffentlichen Einrichtungen etwas über Homosexualität zu vermitteln. Prompt tauchen Gegner auf, die einen zweiten Teil der Geschichte schreiben, in dem der schwule Pinguin nun doch die Pinguindame seines Lebens trifft.

Hier möchte ich nun wieder zurück zur Aktion „Miłość nie wyklucza”: Noch vor weniger als einem Jahrzehnt gab es in Polen faktisch keine öffentliche Debatte über Homosexuellenrechte. Seit wenigen Jahren kämpft die LGBT-Community in Polen aber umso vehementer. Aus privaten Mitteln versucht die junge Aktion Plakate und Flyer in die Öffentlichkeit zu tragen.
Auf den ersten Blick hat die gesamte LGBT-Rechtebewegung in Polen noch nichts erreicht – dass es nun aber endlich eine wirkliche Kontraposition gibt, ist ein immenser Erfolg!

1 Antwort zu „Miłość nie wyklucza” – wie web 2.0 die gesellschaftliche Debatte verändert

1 Trackback
  1. […] Frau, sowie der offen schwule Bürgermeister der Stadt Słupsk, Robert Biedroń, über den wir hier im Queerbeet-Blog bereits berichtet haben. Hier die Berichterstattung der Tageszeitung „Fakt“ (das ist […]

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