Archiv für 2010

Coming-Out-Bericht aus der freien Wildbahn

„Coming-Out? Ist das denn noch ein Thema?“ mag sich der eine oder die andere fragen. Ja, es ist immer noch Thema, und zwar ganz konkret dieses Mal bei Spiegel Online unter der Rubrik Mein erstes Mal. Das „erste Mal“ ist hier die Teilnahme an einem CSD. Die wird im Bericht geschildert, und natürlich mit der ganzen Vorgeschichte, eben dem Coming-Out, sowohl dem inneren, wie dem äußeren, versehen.

Alles nix neues, oder etwa doch?

Neu ist, daß sich dieser Artikel letztlich an alle Jugendlichen richtet (die den Spiegel bzw. dessen Onlineteil lesen), und nicht nur an die lesbischen bzw. schwulen, für die es ja Geschichten dieser Art in nahezu jedem Coming-Out-Ratgeber gibt. Mit ein bisschen Phantasie hilft das den interessierten, heterosexuellen Jugendlichen, sich ein bisschen in Lebenslage und -wirklichkeit von Schwulen und Lesben hinzuversetzen. Und den queeren Jugendlichen, wie es neuerdings so schön heißt, so sie ihre „queerness“ noch nicht entdeckt haben, mag es auf die Sprünge helfen, zu entdecken, was sie bewegt.

Auch interessant sind ein paar der Kommentare am Ende des Artikels, die Leser hinterlassen haben. Hier sind verschiedene Reaktionen, negative wie positive, dabei, alle, wie ich finde, oberhalb der Gürtellinie (Stand bei 8 Kommentaren). Es gibt also für Schwule und Lesben immer noch so einiges zu tun und zu erreichen.

McDonalds-Werbung

Ich bin ja eigentlich kein Fan von McDonalds, aber dieser französische Werbespot könnte euch interessieren:

Natürlich hagelte es gleich Protest von evangelikalen Amerikanern – z.B. vom Präsidenten der „American Decency Association“: McDonald’s verrate Millionen Menschen, die für traditionelle Familienwerte einstünden. Stattdessen fördere der Konzern „das gottlose Verhalten von einigen wenigen“.

Statt jedoch dagegen zu halten, betonte McDonalds, dass der Spot ausschließlich in Frankreich gezeigt würde, wo es keine Probleme mit Homosexualität gebe – man stelle lediglich die französische Gesellschaft so dar, wie sie eben sei. Statt die Gelegenheit zu nutzen, um sich auch in Amerika für die Akzeptanz von Homosexuellen einzusetzen, zieht McDonalds also mal wieder den Schwanz ein – wie bereits 2008, als McDonalds nach einem Boykott der American Family Association sein kurz zuvor begonnenes Engagement für eine schwul-lesbische Initiative wieder einstellte.

Fazit also: Doch nicht bei McDonalds essen. Lieber Pepsi trinken. 😉

Geburtstags-XXX mit Queerbeet-Torte

Queerbeet-Geburtstags-Torte

Queerbeet-Torte

Nachdem wir ja am Donnerstag bereits unseren einjährigen Geburtstag gefeiert haben, hatten am Sonntag unsere Besucher des Café XXX auch noch was davon: Mit zwei Geburtstagskuchen wurde unseren Gästen der Abend versüßt.

Geburtstags-Ambiente im XXX

Geburtstags-Ambiente

Auch sonst haben wir den Queerbeet-Geburtstag nochmal richtig gefeiert: Wir haben 99 Luftballons aufgeblasen (mit dem total coolen Kompressor des Z10 ging das viel schneller als erwartet) und zugeknotet (das musste der Queerbeet-Chor von Hand erledigen). Die Ballons, die danach noch ganz waren, haben wir sogar aufgehängt 😉

Der Höhepunkt des Abends war natürlich unser Geburtstags-Ständchen – auch wenn einzelne Sänger da leider nicht ganz textsicher waren (das müssen wir bis zum nächsten Mal nochmal üben).

Jetzt freuen wir uns auf das nächste Jahr. Ob wir es wieder schaffen werden, unsere Mitgliederzahl zu vervierfachen? Wir werden sehen…

Noch mehr Bilder anschauen »

Gute Nachrichten aus Moskau und Malawi

Heute gibt es in der schwul-lesbischen Welt gleich doppelt Grund zum Feiern: In Moskau konnte erstmalig der Gay Pride ohne Verhaftungen und Verletzte durchgeführt werden. Und in Malawi wurde ein schwules Paar begnadigt, nachdem es zuvor zu 14 Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurde, weil es symbolisch geheiratet hatte.

Das Paar in Malawi hatte sich im Dezember in einer öffentlichen Zeremonie das Ja-Wort gegeben, und war direkt danach festgenommen worden. Die beiden Männer wurden letzte Woche wegen „unzüchtigen Verhaltens“ und „naturwidrigen Handlungen“ verurteilt – die Staatsanwältin sprach von einem „geplanten und gut ausgeführten Verbrechen“. Nach internationalen Protesten hat Präsident Bingu wa Mutharika heute bekanntgegeben, dass Tiwonge Chimbalanga und Steven Monjeza begnadigt werden.

Der Gay-Pride in Moskau wurde auch in diesem Jahr wieder von der Stadt verboten. Obwohl es in der Stadt von Polizisten wimmelte, gelang es etwa 30 Aktivisten (unter ihnen natürlich auch wieder Volker Beck) etwa 10 Minuten zu demonstrieren, ohne von Polizei oder Gegendemonstranten entdeckt zu werden:

Weiterlesen und Videos der vergangenen Jahre anschauen »

Café XXX – Extratermine

Am kommenden Sonntag, 30.5.2010, gibt es einen zusätzlichen Termin vom Café XXX. Zur gewohnten Zeit um 18 Uhr am gewohnten Ort im Studentenzentrum Z10.

Es lädt die Queerbeet-Hochschulgruppe ab 18:00 Uhr ganz légere zur nicht-kommerziellen Café-Bar-Bistro-Alternative «Café XXX» im Z10 ein.

Hier kannst Du in lockerer Atmosphäre Deinen Capuccino genießen, bei einem Desperados oder Bier vom Fass nette Leute kennen lernen oder ganz konventionell kickern.

Das Café XXX findet statt im Studentenzentrum Z10, (Zähringerstr. 10, Karlsruhe). Die nächsten Haltestellen sind das Durlacher Tor und der Kronenplatz. Parkplätze gibt es nah, kostenlos und legal im Uni-Gelände, z.B. der Reinhard-Baumeister-Platz mit Durchgang zur Kaiserstraße.

Warum Extratermine?

Auf mehrfachen Wunsch nach zusätzlichen und damit letztlich öfteren Café-Abenden kommt die Queerbeet diesem Wunsch nach. Vorerst probehalber – es sind drei zusätzliche Termine angesetzt. Wenn denn diese Termine halten, was sich die Initiatoren und die Organisatoren davon an Resonanz versprechen, dann werden im Herbst und Winter die zusätzlichen Termine ausgebaut.

Die nächsten regulären und zusätzlichen Termine:

UPDATE: Der zusätzliche Termin am 25. Juli fällt wegen „Das Fest“ aus.

30.5.2010 Extra
13.6.2010 Regulär mit Rosa-Rauschen-Jubiläum
27.6.2010 Extra
11.7.2010 Regulär
25.7.2010 Extra

Wenn ihr mal unsicher seid: die aktuellen Termine findet ihr immer auf unserer Café-XXX-Seite und in unserem Kalender.

Wir haben Geburtstag!

Happy Birthday Queerbeet!

Happy Birthday Queerbeet!

Heute vor einem Jahr wurde die Queerbeet in der heutigen Form gegründet. Wenn das mal kein Grund zum Feiern ist. Deshalb laden wir am kommenden Sonntag (30.5.) im Z10 zum Special-Geburtstags-Café-XXX ein. Wie üblich öffnen wir von 18:00 bis 24:00 das Z10 für euch – wie gewohnt mit Café-Bar-Bistro-Betrieb zu studentischen Preisen, natürlich mit Geburtstagskuchen (also früh genug da sein – nur solange der Vorrat reicht). Bei hoffentlich gutem Wetter ist auch unser Biergarten geöffnet.

Den Biergarten haben wir heute schonmal ausprobiert: bei nur ganz wenig Regen haben wir unseren Geburtstag mit einem kleinen Grillfest im Z10 gefeiert:

180° – making of

Heute vor genau einem Monat war unsere große 180°-Party im AKK. Zeit für einen Blick hinter die Kulissen…

Lichttest - kurz vor der 180°-Party im AKK

Lichttest - kurz vor der 180°-Party im AKK

Eigentlich hätte man an dem Abend einfach ins AKK gehen können, an dem Kassentisch vorbei, rein in das Gebäude. Dort waren Leuchtgirlanden aufgehängt und bei der ersten Abbiegung hatte man die Auswahl zwischen der Garderobe und der Disco, die mit Technik und Musik beeindruckte. Unter der Treppe, die zu der Tanzfläche führte, gab es eine Theke mit Ausschank. Hatte man es gerne ruhig so konnte man die Tanzfläche schnell hinter sich lassen und sich auf den Weg zum Cafe machen dort gab es den Sekt oder einfach ein paar nichtalkoholische Getränke wie Kaffee.

Eigentlich eine gute Idee dort hinzugehen und Party zu machen, aber dies war die 180 Grad Party der Queerbeet am 24. April. Ich und viele andere Queerbeetler waren nicht als Besucher dort, sondern als Gastgeber, und wir hatten eine Menge Arbeit hinter uns, aber auch noch vor uns:

Unfair am Freitag abend anzufangen mit einer Backstagestory zur Organisation der Party. Denn angefangen hat das Ganze mit einer Idee, mit viel bürokratischem Kleinkram und viel Einsatz unseres Vorstands. Aber mein Bericht beginnt am Freitag abend, live am Ort des Geschehens, dem AKK. Denn dort begann das, was als grosses Discospektakel enden sollte. Wie stellt man sich die Arbeit für diese Party vor – was ist denn zu tun im AKK, um eine Party zu machen?
Weiterlesen und noch mehr Bilder anschauen »

Besucherzahlen explodiert

Besucher pro Tag seit Mitte April

Besucher pro Tag seit Mitte April

Wow! Gestern hatten wir über 2000 Besucher auf unserem Blog. Das sind etwa zehnmal so viele wie normalerweise. Der Grund dafür war ein außergewöhnlich hohes Interesse an unserem Artikel über Balian Buschbaum, den unsere Besucher über verschiedene Suchmaschinen gefunden haben. Damit ist dieser Artikel nun der mit Abstand am meisten gelesene Artikel auf unserem Blog (über 3000 inzwischen über 5000 Klicks) und hat damit den bisherigen Spitzenreiter „GayRomeo Fußtapsen“ (1100 Klicks) weit hinter sich gelassen.

Besucher pro Woche seit November

Besucher pro Woche seit November

Die bisherigen Besucher-Rekorde unseres Blogs wurden ausgelöst von der Queer-Woche und dem Queer-Schlonz im November, von der Gemeinderatssitzung zur Gleichstellung von Ehe und eingetragener Lebespartnerschaft im Januar, und natürlich von der Demo „Schwule und Lesben ins Standesamt“ und der anschließenden 180°-Party im April.

Hochschulgruppenmesse Sommersemester 2010

Am Dienstag, 20. April fand im Festsaal des KIT eine Hochschulgruppenmesse statt. Solch eine Hochschulgruppenmesse stellt im Endeffekt nichts anderes als eine Plattform für die verschiedenenen Hochschulgruppen dar, wo diese sich präsentieren und die unwissenden Studenten über ihre Arbeit informieren können. Natürlich konnten wir als Queerbeet-Hochschulgruppe uns diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und waren dort mit einem Stand vertreten – wie übrigens auch schon bei der Hochschulgruppenmesse im vergangenen Herbst.

Queerbeet-Stand auf der Hochschulgruppen-Messe

Queerbeet-Stand auf der Hochschulgruppen-Messe

Aus Erfahrung von dieser vergangenen Hochschulgruppenmesse wussten wir schon im Voraus, dass sich doch viele Studenten nicht trauen, allzu auffällig oder allzu lange an unserem Stand stehen zu bleiben – man könnte ja als Heterosexueller oder als Ungeouteter in eine ganz ganz böse Gerüchteküche geraten, wenn Bekannte einen an unserem Stand entdecken. Um dieses Problem zu umgehen, hatten wir eine ebenso einfache wie geniale Taktik: Wir verschenkten an unserem Stand Waffeln, welche wir den Vorbeigehenden aktiv anboten. Und wie es bei Waffeln nun einmal so ist, benötigen die eine gewisse Zeit, bis sie fertig gebacken sind. Während nun der hungrige Student auf seine Waffel wartet, bleibt ihm quasi gar nichts anderes übrig, als sich von uns informieren zu lassen.

Weiterlesen „Hochschulgruppenmesse Sommersemester 2010“

Homophobe Reaktionen auf unsere Demo zur Gleichstellung

Unsere Demonstration "Schwule und Lesben ins Standesamt!" am 24. April hat nicht nur positives Feedback erhalten. Insbesondere die Reaktion eines Mannes per Telefon und per Brief zeigt deutlich, wie wichtig es auch heute noch ist, auf die Straße zu gehen.

Der Brief bestehend aus einem Zeitungsausschnitt und handschriftlichem Text

Anonymer Brief

In dem Brief kann man unter Anderem folgendes Lesen:

„Hochzeit im Bullenstall wäre richtig! [...] was für gehirnkranke und perverse Typen ihr seid. [...] Kastrieren sollte man euch, damit ihr auf andere Gedanken kommt. Verpißt euch! Ekelhaftes Pack!“

Die oben zitierten Textstellen sind im Vergleich zum Rest des Briefes noch harmlos. Wer könnte angesichts solcher Parolen behaupten, Schwule und Lesben seien überall sozial akzeptiert und hätten eigentlich keinen Grund, auf die Straße zu gehen? Es gibt immer noch Menschen, bei denen es offenbar nicht angekommen ist, dass Schwule und Lesben ganz normale Menschen sind. Auch bei ka-news.de, genauer gesagt im Kommentarteil des Artikels zur Demo, stolpert man über homophobe Äußerungen. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns nicht verstecken und (Regenbogen-)Flagge zeigen! Denn nur wir selbst können für unsere Rechte und eine tolerante Gesellschaft eintreten!

Aus demselben Grund hat sich die Schwung Karlsruhe und die Queerbeet dazu entschlossen, den Mitschnitt des Anrufs und den Brieftext zu veröffentlichen. Doch zuerst wollen wir noch kurz über den zeitlichen Ablauf informieren:

Zunächst rief der Mann am 26. April die Festnetznummer von Wolfgang, der die Demonstration bei der Stadt angemeldet hatte, an, um seine Meinung darüber kundzutun. Da zum Zeitpunkt des Anrufs niemand zu Hause war, wurde der Anruf auf ein Handy weitergeleitet und von der Mailbox aufgezeichnet. Am 28. April erhielt Wolfgang oben genannten, an ihn persönlich adressierten Brief.

Vor- und Nachnamen von Wolfgang hatte er vermutlich aus einem Artikel in der BNN, die Nummer des Festnetzanschlusses und die Postadresse aus dem Telefonbuch. Es gibt im Telefonbuch für Karlsruhe insgesamt fünf Personen mit dem gleichen Namen, aber nur bei einer Telefonnummer taucht dieser Name zusammen mit einem anderen Männernamen auf. Daher war es relativ einfach, den "richtigen" Wolfgang zu finden. Dennoch hat der anonyme Anrufer einigen Aufwand betrieben, um an die Kontaktdaten heranzukommen. Er hat sich wirklich Mühe gegeben, gezielt eine Einzelperson ausfindig zu machen, die er angreifen kann. Auf Grund der ähnlichen Wortwahl und der kurzen zeitlichen Abfolge können beide Vorfälle wohl derselben Person zugeordnet werden.

In Absprache mit Wolfgang veröffentlichen wir hier sowohl den Mitschnitt des Anrufs als auch den eingescannten Brieftext.
Mitschnitt und Brief verstecken sich hinter diesem Link »